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Dr. med. Philip Eckardt: Neurofunktionelle Integration im Spitzensport

Neurofunktionelle Integration – eine medizinische Anwendung der funktionellen Neurologie oder Warum auch bei Knieschmerzen ein Blick auf den Kiefer lohnt.

Die Neurofunktionelle Integration

Neurofunktionelle Integration ist ein medizinisches Behandlungskonzept, welches vollständig auf dem Wissen der funktionellen Neurologie aufbaut. Bewährte neurologische Untersuchungstechniken werden dabei durch integrierte neurofunktionelle Untersuchungen ergänzt, d.h. nicht nur die Funktion einzelner Körpersysteme, sondern auch die neurologische Interaktion der Körpersysteme wird bei der Untersuchung und Behandlung berücksichtigt. So können nicht nur die integrierte Funktion der propriozeptiven und somatomotorischen Systeme, sondern auch der exterozeptiven, interozeptiven, viszeromotorischen und mentalen Systeme beurteilt und behandelt werden. Die Behandlung erfolgt rein manuell durch Stimulation bestimmter Gehirnareale, welche in einem integrierten Kontext eine gestörte Körperfunktion aufheben können.

Neurofunktionelle Integration in der praktischen Anwendung

Und so war es auch neulich, als mich ein junger Fußballprofi, den ich im Rahmen einer Knieverletzung schon mal behandelt hatte, erneut kontaktierte. Der Grund war ein seit 2 ½ Wochen anhaltender Schmerz an eben jenem Gelenk. Der Schmerz war in der Vorbereitung nach intensiven Trainingseinheiten auf Kunstrasen am Außenband aufgetreten. Zudem gab der Spieler Spannung im unteren Rücken und der Gesäßmuskulatur beidseits an. Ein direktes Trauma am Knie hatte er nicht erlitten, die klinische Untersuchung am Knie ergab auch keinen wesentlichen Befund. In dem Wissen, dass irgendetwas passiert sein musste, fiel dem Spieler auf weiteres Nachfragen wieder ein, dass er einen vom Gegner volley genommen Ball im November 2017 aus zwei Meter Entfernung ans Kinn bekommen hatte. Vier lockere Zähne und ein taubes Kinn waren die Folge…und jetzt Knieschmerzen.

Die Funktionsprüfung der Kiefergelenke und des N. trigeminus zeigten erhebliche Auffälligkeiten, insbesondere in der integrierten neurologischen Funktion. Das Gangmuster und die Spannung in Rücken und Gesäß konnten über verschiedene Unterkieferbewegungen und -positionen deutlich verschlechtert werden, die Koordination, insbesondere der linken Körperhälfte, ließ bei einigen neurologisch Reizen deutlich nach – deshalb streikte auch das linke Knie und nicht das rechte. Zudem zeigte sich eine Affektion des N. glossopharyngeus und des N. vagus. Die Behandlung mit Neurofunktioneller Integration erfolgte über Gehirnareale, welche durch eine Aktivierung die Störungen der Kieferfunktion und die Affektion der Hirnnerven beseitigten konnten. Dazu gehörten das mittlere Cerebellum und die Medulla oblongata. So konnten die Störungen schnell behoben werden, die Spannung in Rücken und Gesäß war sofort weg.

Fazit

Aber warum hat der Kiefer so einen Einfluß? Die Antwort lautet möglicherweise: Atmung. Der Unterkiefer hat eine Repräsentation in unteren Hirnstamm. Dort werden auch wesentliche vegetative Reflexe, wie die Atmung, gesteuert. Ein wichtiger Kern dafür ist der Ncl. paratrigeminalis. Er sitz zwischen dem spinalen Trigeminuskern und dem Tractus spinocerebellaris. Dort empfängt er Informationen aus der Halsschlagader über den O2 und CO2 Gehalt des Blutes und steuert so die Atmung. Zur Atmung gehört neben der Steuerung des Kiefers und der Zunge auch die Steuerung der Atemmuskulatur. Die umfasst die Rachenmuskulatur, die Halsmusklulatur, das Zwerchfell, die Intercostalmuskulatur und die Abdominalmuskulatur. Die Innervationshöhe reicht dabei bis zum Spinalnerv L3, und damit wären wir auch bei der Muskulatur des Oberschenkels gelandet. In Kontaktsportarten kriegt der Kiefer immer mal was ab und sollte deshalb als möglicher Störfaktor bei Beschwerden jeglicher Art in Betracht gezogen werden.

Mehr Informationen: www.neurolog.de

Dr. med. Philip Eckardt hat in den letzten 15 Jahren sein Konzept der Neurofunktionellen Integration entwickelt. In seinen Praxen in Murnau am Staffelsee und München behandelt er Menschen mit den unterschiedlichsten Beschwerden aber auch Athleten, insbesondere Fußballprofis. Mit seinem Neurolog Akademie Team bildet er zudem Physiotherapeuten, Osteopathen, Chiropraktiker und Ärzte fort.